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Beiträge und Pressemitteilungen zum Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau

Der jüngste Sohn des Siegers über Napoleon, des Generalfeldmarschalls August Neidhardt Graf von Gneisenau, Bruno Friedrich Alexander Graf Neidhardt von Gneisenau als Domherr in Naumburg

Eine Familiengrabstelle, die „Gräflich Neidhardt v. Gneisenauische Ruhestätte“, auf dem Naumburger Domfriedhof, veranlaßte mich (ich bin Vorsitzender der Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau- Gesellschaft e.V. in Sommerschenburg/Sachsen-Anahalt) unlängst zu einigen Recherchen über ihr Zustandekommen.

Wer war eigentlich Bruno Neidhardt von Gneisenau?
Bruno Graf Neidhardt von Gneisenau wurde am 3. Mai 1811 in Kauffung, dem schlesischen Besitz der Familie, geboren.  Nach dem Besuch des Pädagogiums in Bunzlau und später die Ritterakademie Liegnitz trat er am 1. Juni 1830 als Freiwilliger in das 1. Kürassier-Regiment der Preußischen Armee ein. Am 21. Januar 1832 erfolgte seine Versetzung zur 2. Jäger-Abteilung, wo er im März 1833 zum Sekondeleutnant befördert wurde. Er diente dann in verschiedenen Jäger-Abteilungen und nahm am 13. April 1861 mit dem Charakter als Oberstleutnant seinen Abschied und trat in  Nassauische Dienste, wo er Kommandeur des dortigen 2. Infanterie-Regiments wurde. In dieser Stellung am 25. Juni 1864 zum Oberst befördert, trat er Ende des Jahres wieder in preußische Dienste zurück und erhielt das Kommando über 4. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 72 in Torgau.

1866 nahm Gneisenau während des Krieges gegen Österreich  an den Kämpfen bei Liebenau, Münchengrätz und Blumenau teil. In der Schlacht bei Königgrätz wurde er durch einen Granatsplitter leicht verwundet. 1868 zum Generalmajor ernannt, nahm er 1870/71 am Deutsch-Französischen Krieg als Kommandeur der 31. Infanterie-Brigade der  16. Division  teil und wurde mit beiden Klassen des  Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Am 18. Februar 1873 erfolgte die Ernennung zum Kommandanten der Festung Magdeburg und einen Monat später die Beförderung zum Generalleutnant . Unter Versetzung zu den Offizieren von der Armee wurde er am 18. Mai 1876 Gouverneur der Festung Ulm. Nach Genehmigung seines Abschiedsgesuchs wurde Graf Bruno von Gneisenau am 4. April 1882 unter Verleihung des Charakters als General der Infanterie zur Disposition und gleichzeitig à la suite des Colberger Grenadier-Regiments (2. Pommersches) Nr. 9 gestellt.
Er war dann seit 1882  Domherr zu  Naumburg (Domherr  ist ein (geistliches) Amt in der katholischen Kirche und ein Ehrenamt in der evangelischen Kirche) und seit 1885 Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Am 30.12.1881 starb der Naumburger Dompropst Eduard von Rabenau. Mit seinem Tode endete die lange Reihe der durch die Wahl der Kapitulare an die Spitze des Domkapitels berufenen Domherren. Die Besetzung und Dotierung der Domherrenstellen übernahm jetzt der preußische König Wilhelm I. (seit 1871 Kaiser). Minister Robert Victor von Puttkammer und General Graf Bruno von Gneisenau wurden erste Domherren entsprechend der neuen Ordnung.

Spuren in Naumburg
Nach entsprechenden Recherchen im Naumburger Domarchiv und auf dem Domfriedhof lässt sich folgendes feststellen:
Auf dem total verwilderten Domfriedhof gibt es eine „Gräflich Neidhardt v. Gneisenauische Ruhestätte“ deren Tafel sich an einer Außenmauer des Friedhofs befindet (Zustand schlecht).

Davor befinden sich die Gräber seiner Ehefrau  Eleonore Freiin von Klot-Trautvetter (geb. am 11. Juni 1817 in Greifswald, gest. am 21. April 1887 in Naumburg) – verheiratet mit Bruno seit dem 1. Juli 1836. Grabstein sowie zugehörige Grabtafel sind noch vorhanden (Tafel jedoch nur lose angelehnt, da Befestigungsschrauben herausgebrochen). Davor, die Tafeln aber nicht mehr lesbar, wahrscheinlich die Grabsteine der Töchter Helene und Anna).

Nach Einsichtnahme in das „Beerdigungs-Register für den domcapitularischen Friedhof zu Naumburg a.S.“ sind folgende verstorbene Personen aus der Familie Bruno Neidhardt von Gneisenaus auf dem Domfriedhof bestattet worden:

• Gräfin Helene von Gneisenau (geb. 1861), gest. 20. März 1894 (Nr. 958 im Beerdigungs-Register).
• Anna v.d. Hagen, geb. Gräfin von Gneisenau (geb. 1848), gest. 26. Oktober 1931 (Nr. 959 im Beerdigungs-Register)
• Gräfin Eleonora Neidhardt von Gneisenau (geb. Freiin von Klot-Trautvetter, geb. 1817), gest. 21. April 1887  (Nr. 971 im Beerdigungs-Register)
• Graf Bruno Neidhardt von Gneisenau, General der Infanterie p.p. und Senior des Domkapitels, 77 9/12 J.  (Nr. 972 im Beerdigungs-Register)
Angaben ebenso im „Leichen-Register für den Totengräber ab 1865 für den Domstift Naumburg“.

Die weiteren Grabsteine auf der Ruhestätte sind stark verwittert, die abgeschlagenen Tafeln sind nicht mehr lesbar und von Efeu überwuchert. Eine Steinpyramide (total von Efeu überwuchert) bedeckt wahrscheinlich das Grab von Bruno von Gneisenau (müsste für genauere Untersuchung frei geschnitten werden).

Inzwischen wurde auf meine Initiative von der Domstiftung mit der Restaurierung begonnen und 2016 die große Rückwand der Grabstelle saniert. Eine Weiterführung der Arbeiten ist derzeit noch nicht möglich, da trotz Recherchen im Naumburger Stadtarchiv und einem Aufruf in der Presse nach einem Bild der Grabstätte von vor 1945 noch kein entsprechendes Foto aufgetaucht ist, um die Restaurierungsarbeiten erfolgreich und historisch korrekt weiterführen zu können.

Eventuelle Fotos bzw. Hinweise darauf, bitte an mich weiterleiten – danke!

Im nördlichen Seitenschiff (im sogenannten Westlettner) des Naumburger Domes befindet sich ein von der Familie von Gneisenau gestiftetes farbiges Bleiglasfenster, das auf den Domherrn Graf Bruno von Gneisenau verweist.
Um 1900 war bei Domkapitel der Wunsch entstanden, Familien ehemaliger Domherren zur Stiftung neuer Glasmalereien zu gewinnen. Als Gegenleistung und Verbildlichung der Stiftungen an den Dom, plante das Kapitel, jedes Fenster mit dem Wappen und dem Namen eines Domherren zu gestalten. Traditionell war es Voraussetzung, von adliger Abkunft zu sein, um in das Domkapitel aufgenommen zu werden. Demnach verfügte jeder Domherr über ein Familienwappen, das abgebildet werden konnte. Es kam zu mühevollen Abstimmungsprozessen zwischen dem Kapitel, den Angehörigen der Domherren und den Glasmalern. Bei der Übertragung der Familienwappen in das Medium der Glasmalerei durch einen Künstler bestanden nicht viele Freiheiten. Jedes Detail der kompliziert aufgebauten Wappen musste in Form, Größe und Farbe stimmen. Jedes heraldische Element musste korrekt angeordnet sein. Bei den Domherrenwappen handelt es sich um sogenannte Vollwappen, die alle grundlegenden Wappenbestandteile beinhalten, wie Schild, Helm und Helmzier.

Im umfangreichen Schriftverkehr (ist in den Protokollen der Domherrensitzungen noch einzusehen!) zur Finanzierung und Gestaltung der Wappenfenster finden sich interessante Anmerkungen und Einlassungen der Familienmitglieder zu den zeichnerischen Entwürfen und stilistischen Voraussetzungen.

Die Wahl des Glasmalers des Gneisenau-Fensters fiel auf Fritz Geiges (1853-1935) in Freiburg im Breisgau sowie auf Rudolf (1874-1916) und Otto Linnemann (1876-1961) in Frankfurt am Main. Das Fenster entstand zwischen 1903 und 1911/12. Quelle für die Darstellungen waren die Aufschwörtafeln (Eidtafeln) der adligen Geschlechter, von denen sich etwa 120 im Naumburger Domstiftsarchiv befinden.

Dr. Frank Bauer/Altenburg
Historiker mit dem Schwerpunkt preußische Geschichte (vor allem der Zeit zwischen 1800 und 1815). Publikationen u.a. über Zieten, das Lützower Freikorps; Seit 2003 Herausgabe der „Kleinen Reihe zur Geschichte der Befreiungskriege 1813-1815“ (bisher 48 Broschüren, siehe edition-koenig-und-vaterland.de).