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Beiträge und Pressemitteilungen zum Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau

Die Belagerung der Festung Cosel 1807

Geschrieben von Dr. Frank Bauer

Der Schornsteinfegermeister Siebler konnte sie dabei durch sein Beispiel überzeugen, so daß man das Feuer Löschen konnte. Ihm zur Seite stand der ehemalige Stadtdirektor Herdt.

Viel schlimmer als der Brandschaden war die Zerstörung eines Viertes der Bürgerhäuser, auch viele Kasernen waren größtenteils unbewohnbar geworden. Eine Bombe fiel in die Hauptwache auf dem Ring und tötete drei Mann. Die übrige Mannschaft zog mit den Offizieren in das Steueramt – zur Kaiserzeit Hotel zum Kronprinzen -, die Wache in das Wolfrathsche Haus.

Zum Schrecken der Beschießung kam hinzu, daß ein großer teil der Besatzung sich betrunken hatte, in die Häuser eindrang und Ausschweifungen aller Art verübte.
Um 13.30 Uhr endete das Bombardement, 1460 Geschosse waren auf die Stadt geschossen worden, 4 Soldaten und 1 Bürger getötet, 11 Soldaten und 4 Bürger verwundet worden. Die Verwundeten kamen ins Minoritenkloster auf der Ratiborer Straße – später Zeughaus.
Von den Festungsanlagen war die Kobelwitzer Redoute am stärksten beschädigt, dort waren 4 Geschütze unbrauchbar geworden.
Aber auch der Feind hatte im Feuer von 41 preußischen Geschützen Verluste erlitten, die natürlich nicht feststellbar waren.

Gegen 14.00 Uhr erschien an der Ratiborer Bastion der französische Oberst Morio, um die Stadt zur Übergabe aufzufordern. Morio war Adjutant des Prinzen Jerome und ins bayerische Hauptquartier geschickt, weil man dem bayerischen General nicht genügend Tatkraft zutraute. Er übergab Deroy ein Schreiben, in dem es hieß, daß er auf Befehl Jeromes so lange vor Cosel bleiben sollte bis dieser Platz 24 Stunden lang heftig beschossen und zwei vorgeschoeben Werke gefallen waren. So lange wartete er allerdings nicht.
Am Ratiborer Tor wurde Morio vom Kommandanten und vom Rittmeister Samoggy empfangen. Oberst v. Neumann nahm die Aufforderung zur Übergabe entgegen sowie ein zweites Schreiben, das die Auswechslung von Gefangenen vorschlug. Bis zur Ausstellung der hierfür nötigen Pässe wurde eine Waffenruhe von 24 Stunden verabredet. Am folgenden Tag früh überbrachten Rittmeister Samoggy und Leutnant v. Neumann die Antwort des Kommandanten ins feindliche Hauptquartier in Comorno. Oberst Neumann versicherte, daß er den festen Willen habe, den Befehl seines Königs auf strengste zu erfüllen und die Festung bis zum äußersten zu verteidigen, das gebiete auch seine Ehre. Er lehnte die Übergabe erneut ab. Der vorgeschlagene Gefangenaustausch kam auch nicht zustande.

Die feindlichen Generale versuchten die preußischen Offiziere von der Aussichtslosigkeit ihre Widerstandes zu überzeugen. Sie malten die Lage des preußischen Heeres in den schwärzesten Farben und schlugen vor, ein Offizier der Festung möge nach Warschau reisen, um sich selber von der Wahrheit zu überzeugen. Oberst Morio schlug sogar vor, er wolle die Übergabe so gestalten, daß der Kommandant von jeder Schuld frei zu sein scheine. Er ritt mit den Preußen bis zur Rogauer Redoute zurück, um Eintritt in die Festung zu erhalten und den Kommandanten womöglich im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Aber er wurde nicht eingelassen und ihm gesagt, daß die Feindseligkeiten sofort wieder beginnen würden, sobald er in Comorno eingetroffen sei. Um 14.15. Uhr begannen die Kanonen der Festung wieder zu feuern. Der Feind aber antwortete an diesem Tage nicht mehr.

Die kurze Feuerpause war von beiden Seiten zur Ausbesserung der Schäden benutzt worden. Die Bayern hatten außerdem erkannt, daß ihre 1. Batterie auf dem rechten Oderufer zu wenig Wirkung erzielte, daher legten sie in der Nacht zum 6.2. auf dem linken Ufer eine neue Batterie (Nr. 6) an, in die die Geschütze der 1. transportiert wurden.