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Beiträge und Pressemitteilungen zum Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau

Die Belagerung der Festung Cosel 1807

Geschrieben von Dr. Frank Bauer

Am 4. März dauerte die Beschießung von 2.00 Uhr bis 6.00 Uhr früh. In der Stadt fingen 3 Häuser, die bereits starke Beschussspuren hatten, Feuer und brannten völlig nieder. Sie gehörten dem Major v. Erdmann, dem Zeughausleutnant Holzmann und dem Nagelschmied Aulich. Eine Bombe fiel in das alte Schloß und tötete einen Arbeiter. Drei andere wurden verwundet und 30 so betäubt, daß sie erkrankten. Sie sollen bald darauf verstorben sein. An diesem Tag konnten die Feinde auch einen neuen Durchstich am Wiegschützer Damm machen.

Da die Krankheiten in der Festung, vor allem unter den Eisbauern, in erschreckender Weise zunahmen, ließ man in der nächsten Nacht 32 entfliehen. Damit sie aber vom Feind als Deserteure anerkannt wurden, schoß man blind hinter ihnen her.

Die nach dem Fluchtversuch arretierten Artilleristen wurden verhört. Es stellte sich heraus, daß fast alle Artilleristen und Handlanger an dem Fluchtversuch beteiligt waren. Die Untersuchung ging nur langsam voran, da man die Artilleristen in den Morgenstunden des 4. März wegen des feindlichen Bombardements auf den Wällen brauchte. Man musste sowieso die meisten Schuldigen auf den Wällen lassen. Nur die Anführer wurden abgeführt. 22.00  Uhr wurde dann festgestellt, daß fast die ganze Garnison vom Fluchtversuch wusste. Oberst v. Puttkammer, der anstelle des erkrankten Oberst v. Neumann die Untersuchung leitete und der für die Nacht einen Ausbruch befürchtete, ließ sofort den Ingenieurhauptmann Keibel und noch 2 andere Offiziere zu einem Kriegsrat herbeiholen. Es wurde beschlossen, daß die 16 berittenen Kavalleristen, die noch vorhanden waren und wahrscheinlich nicht am Komplott beteiligt waren, die ganze Nacht patrouillieren sollten, daß jede Kasematte durch die wenigen sicheren Leute streng überwacht und alle Gewehre unter Aufsicht genommen werden sollten. An der Ratiborer und Odertorwache wurde auf der Stadtinnenseite je eine 6pfündige Kanone aufgestellt und mit Kartätschen geladen. Einige Artilleristen, die treu geblieben waren, wurden mit brennender Lunte daneben aufgestellt. Sie hatten den Befehl, im Notfall ohne Rücksichten zu feuern.

Kaum hatte man diese Vorbereitungen getroffen, hörte man vom Fort Wilhelm her heftiges Gewehrfeuer. Beim Brückenkopf und auf der Insel gab es Lärm und gewaltsame Bewegungen. Aber in der Stadt musste man tatenlos zusehen und abwarten, was geschehen war und was sich entwickeln würde. Man wagte nicht, die Tore zu öffnen und eine Patrouille zu schicken.

Am Morgen des 6. März musste man feststellen, das Komplotte schlimmster Art zum Ausbruch gekommen waren und nur durch das rasche und entschlossene Eingreifen des Kommandanten der Kobelwitzer Redoute und des Forts unterdrückt worden waren. Hauptmann v. Wostrowski hatte erfahren, daß alle seine Truppen, mit Ausnahme der Unteroffiziere, zweier Artilleristen und der Jäger sich verabredet hatten, ihn selber zu töten, die anderen Offiziere bei Widerstand ins Wasser zu werfen, die Kanonen zu vernageln und dann zum Feind überzugehen. Wer von den Mannschaften sich nicht anschließen wollte, sollte ebenfalls getötet werden. Schnell entschlossen sich nun Wostrowski und die Jäger und Unteroffiziere alle Gewehre einzusammeln, dann besetzte er mit diesen wenigen Getreuen alle Türen und Fenster der Kasematten und gab den Befehl, jeden, der heraus wollte, zu erschießen. Dann ritt er eilig zur Klodnitzer Redoute und zum Brückenkopf, holte sich dort 150 Mann und arretierte mit diesen die meuternde Besatzung. Dann stellte er Verhöre an, machte dann dem Kommandanten Meldung. Dieser entschied, daß die drei Anführer, Artilleristen vom Bataillon Sanitz, sofort standrechtlich erschossen, ein vierter von der Nationalkompanie begnadigt werden sollte. Um 8.00 Uhr morgens wurden die Urteile vollstreckt.
Als der Kommandant Hauptmann Wostrowski fragte, ob er mit dieser unzuverlässigen Mannschaft weiter seinen Posten behaupten wolle, bejahte dieser. Er versammelte alle Arretierten um sich und hielt eine kurze Ansprache. Da warfen sich alle Soldaten vor ihm nieder und gelobten, als redliche und treue Soldaten unter ihm zu dienen.