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Beiträge und Pressemitteilungen zum Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau

Die Belagerung der Festung Cosel 1807

Geschrieben von Dr. Frank Bauer


Am 1. Mai gab es noch Hafer für ein Jahr, Mehl für 4,5 Monate, Bier, Branntwein, Tabak und Heu noch für höchstens 6 Wochen, andere Lebensmittel nur noch für 14 Tage.
Im April konnten dank scharfer Überwachungsmaßregeln nur 16 Mann desertierten.
Schlimm war die Situation für die Kranken. Man erbaute auf der Oderinsel hölzerne Baracken, um bei zunehmender Wärme die Kranken luftiger und gesünder unterzubringen zu können. Medikamente gab es zwar noch ausreichend, aber es fehlte an Ärzten und Krankenwärtern. Auf 50 Kranke kam 1 Arzt. Auch unter den Bürgern wütete der Typhus, 67 starben daran bis zum Mai.

Der Mai verlief insgesamt ohne größere Unternehmungen. Die von der Festungsbesatzung unternommenen kleinen Streifzüge zum Erbeuten von Vieh schlugen häufig fehl, da sie dem Feind durch Signale verraten wurden. Dieser Verräter wurde nie gefasst. Zwei Offiziere wurden bei derartigen Streifzügen schwer verwundet.
Mitte Mai schien sich für Cosel neue Hoffnung zu zeigen. Durch eine Flaschenpost über die Oder hatte Graf Götzen den Kommandanten informieren lassen, daß Major v. Losthin mit Truppen auf dem Weg über Breslau sei, um Cosel und Neiße zu entsetzen. Aber diese preußische Truppenabteilung wurde bei Adelsbach geschlagen.
Die Lage der Festung verschlimmerte sich, denn der Feind schloß den Belagerungsring immer dichter. Kobelwitz wurde stärker besetzt, vor Wiegschütz und Rogau waren neue Schanzen entstanden. Zudem hielt sich der Feind meist außerhalb der Schussweite der Festungsartillerie auf, so daß auch diese fast nicht mehr schoß. Der Kommandant erkannte die Gefahr, die durch das tatenlose Warten bei den ohnehin unzuverlässigen Truppen entstand. Er beschäftigte sie mit dem Ausbessern der Wälle und dem vollständigen Einebnen der vom Feind verlassenen Batterien und Laufgräben.
Im Monat Mai verstarben 225 Mann der Garnison. Ende des Monats lagen noch 600 Kranke im Lazarett. Außerdem waren weitere 83 Mann trotz aller Vorsichtsmaßnahmen desertiert.
Ende Mai machte sich der Mangel an Schlachtvieh bemerkbar. Viele Bürger hatten nicht an eine erneute Einschließung geglaubt und kaum Vorräte angelegt. Nun wurde am 25. Mai auf Veranlassung des Magistrats der Viehbestand aufgenommen und das Schlachten mit strengen Auflagen geregelt. In den Fleischerläden wurde das Fleisch unter Aufsicht gegen Barzahlung entsprechend der Familienstärke verkauft.

Am 31. Mai 18.00 Uhr hörte man auf allen Seiten der Stadt Gewehrfeuer. Die Feinde feierten damit die Einnahme von Danzig. Am 1. Juni überbrachte ein bayerischer Trompeter ein Schreiben an den Kommandanten, in dem General Raglowich um eine Zusammenkunft ersuchte. Nach einem Kriegsrat wurde dem zugestimmt. Raglowich erschien am nächsten Tag mit dem Major v. Wreden und zahlreichem Gefolge vor der Rogauer Redoute. Sie wurden von den Hauptleuten Brünnow und Keibel empfangen. Nur der General Raglowich und Wreden wurden mit verbundenen Augen eingelassen. In der Wohnung des Kommandanten übergab Raglowich ein Schreiben mit der Mitteilung von der Kapitulation der Festung Neiße und der Besetzung Danzigs. Dann schlug er die Kapitulation Cosels vor, das von außen völlig abgeschnitten sei und nicht auf Entsatz rechnen könne. Der Kommandant selber solle bestimmen, nach wie viel Tagen die Übergabe zu erfolgen habe. Er könne außerdem einen Offizier nach Neiße schicken, der sich von der Kapitulation dieser Festung überzeugen könne. Eine Antwort verlangte er erst in 6 Tagen. Er warnte aber vor zu langem Zögern, da nur eine Kapitulation diejenigen Offiziere schützen könne, die trotz ihres gegebenen Ehrenwortes in der Festung Dienst leisteten.