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Beiträge und Pressemitteilungen zum Generalfeldmarschall Graf Neidhardt von Gneisenau

Die Belagerung der Festung Cosel 1807

Geschrieben von Dr. Frank Bauer

Am 22.01.1807 erfuhr die Bevölkerung von Cosel vom Heranrücken der Feinde. Am 23.1., einem Freitag, erblickte man gegen 9.00 Uhr die ersten Feinde, die von Comorno her nach Wiegschütz, Reinschdorf und Kobelwitz marschierten. Auf dem rechten Oderufer erschienen sie gegen Mittag bei Klodnitz. Sobald man sie erblickte, begannen die Geschütze der Festung zu feuern. Man erzielte zwar einige Wirkung, konnte aber den Aufmarsch nicht ernsthaft behindern. Oberst v. Neumann musste aber feststellen, wie wenig er sich auf seine Truppen verlassen konnte, 4 Mann war es gelungen, zu desertieren.

Deroy hatte sein Hauptquartier nach Comorno, Siebein nach Januschkowitz verlegt. Am 24.1. um 10.00 Uhr erschien der bayerische Generalmajor v. Raglowich vor der Festung und verlangte den Kommandanten zu sprechen. Er wurde mit verbundenen Augen durch den Gouvernementsadjutanten v. Neumann, den Sohn des Kommandanten, zum Oberst gebracht. Dort wurde er von diesem und Ingenieurhauptmann Keibel empfangen und übergab die Aufforderung Deroys zur Kapitulation. Oberst Neumann lehnte ab und schrieb, daß er seinem Monarchen sein Ehrenwort gegeben habe, die ihm anvertraute Festung bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen.

Die folgenden Tage verbrachte der Feind mit Erkundungen und der Errichtung von Batterien. In der Angriffslinie im Süden zwischen Kobelwitz und Reinschdorf sowie in den Linien Reinschdorf-Wiegschütz und Kobelwitz-Pogorzelletz entstanden 5 Batterien.
Die erste lag auf dem rechten Oderufer, genau in der Linie Kobelwitz-Pogorzelletz, da, wo die Oder rechtwinklig nach Nordosten abbiegt. Sie enthielt 4 Zwölfpfünder und war von der Kobelwitzer Redoute etwa 900 m entfernt. Die 2. Batterie entstand nördlich von Kobelwitz auf dem linken Oderufer, von der Redoute nur 450 m entfernt. Sie nahm 2 Zwölfpfünder, eine schwere und eine leichte Feldhaubitze auf.
Am Dembowaer Damm, ehe er bei der Statue des Hl. Nepomuk die Reinschdorfer Straße erreicht, wurde die 3. Batterie erbaut, die mit 4 Vierundzwanzigpfündern, 4 Mörsern und 2 schweren Haubitzen bestückt war. Zwei der 24pfünder sollten glühende Kugeln in die Stadt schleudern.
Die 4. und 5. Batterie befanden sich ziemlich nahe beieinander gegenüber der Wiegschützer Redoute am Rande des Odertales. Die  4. enthielt 2 Zwölfpfünder und 2 schwere Haubitzen, die 5. dann 4 Zwölfpfünder. Diese beiden Batterien wurden zuerst feuerbereit, da ein davor liegendes Erlengebüsch Sichtschutz bot, so daß auch am Tag gearbeitet werden konnte.

Als die Belagerer erkannten, von welcher Seite ein Angriff drohte, taten sie alles, um die Vorbereitungen des Feindes zu erschweren und aufzuhalten. Patrouillen wurden entsandt, in der Nacht warf man Leuchtkugeln, vor allem aber wurde ein heftiges Feuer nach den Batteriestellungen gerichtet. Man konnte die Arbeiten aber nur verzögern. Einen größeren Erfolg errang nur die Besatzung des Forts Friedrich Wilhelm, der es gelang, die Häuser von Klodnitz, in denen sich der Feind festsetzen wollte, niederzubrennen. Bei diesem Ausfall entdeckte man auch, daß die Belagerer bei der ersten Kanalschleuse Schanzen aufwarfen.

Die Januartage 1807 waren sehr kalt. Nur mit Mühe gelang es, die Gräben eisfrei zu halten, da auch hierfür Leute fehlten. Über 400 Bauern waren zwar hierzu gewaltsam zurückgehalten worden, aber 800 hätte man gebraucht. Diese „Eisbauern“ mussten zudem scharf bewacht werden, da sie bei jeder Gelegenheit zu desertieren versuchten. Von der Besatzung waren bis zum 28.1. noch weitere 22 Mann desertiert – 11 Infanteristen, 7 unberittene und 4 berittene Kavalleristen.