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Einweihung Gneisenau-Mausoleum am 18. Juni 1841

(Aus: Allgemeine Zeitung. Mit Allerhöchsten Privilegien, München, Nr. 180, Dienstag 29. Juni, S. 1438/39)

einweihung mausoleum

Die Rückseite des Gneisenau-Mausoleums mit dem Denkmal von Rauch um 1845

 „Magdeburg.20. Juni.
Ich kann Ihnen Mitteilung über eine Feier machen, der ich als Augenzeuge vorgestern beiwohnte, und die für all Deutschen, namentlich aber für Preußen von hoher Bedeutung war. Es war die am 18. Juni, am Jahrestage der Schlacht von Belle-Alliance (Waterloo), stattfindende Beisetzung des verewigten Feldmarschalls Grafen v. Gneisenau und Enthüllung der demselben vom preußischen Heere gesetzten Statue. Die Feier war nicht allein für die Vergangenheit von hoher historischer Bedeutung, sondern auch für die Gegenwart, indem sie durch die Anwesenheit des Königs (Friedrich Wilhelm IV.) und der sämtlichen königlichen Brüder auf eine Art und Weise verherrlicht wurde, welche deutlich bewies, daß bei der Wiederkehr ähnlicher Zeiten auch dieselben Gesinnungen, welche in den Jahren 1813-15 Preußens König und Volk begeisterten, noch nicht erstorben sein würden. Die von dem Professor Rauch zu Berlin meisterhaft ausgeführte Statue des verewigten Helden erhebt sich über der am Ausgange des Parks von Sommerschenburg liegenden Gneisenau’schen Familiengruft auf einer kleinen sanft ablaufenden Anhöhe
mit dem Antlitz nach Westen, nach dem letzten Schauplatze seiner ruhmvollen Tatkraft gewendet; eine schöne Tallandschaft, mit reichen Dörfern überdeckt, welche der Riese des Harzes, der Brocken, begrenzt, erschließt sich hier dem Auge des Beschauers. Unweit davon liegt das Dörfchen Sommersdorf, in dessen
Pfarrkirche der entschlafene Held nebst seiner Gattin und einer ihm vorausgegangenen Tochter bis jetzt ruhte.

Dorthin bewegte sich der Zug, als der König, der Prinz von Preußen und die Prinzen Karl und Albrecht um 9 Uhr auf dem Schlosse Sommerschenburg erschienen waren, wo sie von dem Besitzer, dem Tags zuvor vom König zum Major beförderten ältesten Sohne des Verewigten, Grafen August v. Gneisenau, dem
Oberpräsidenten v. Flottwell und den zahlreichen Militärs und ritterschaftlichen Ständen aus der Nachbarschaft empfangen worden waren. In der Pfarrkirche zu Sommersdorf angelangt, nahm der König unmittelbar hinter dem Sarge Platz, neben ihm der älteste Sohn des Verstorbenen, hierauf der Prinz von Preußen, Prinz Carl und Prinz Albrecht, unmittelbar neben ihnen der zweite Sohn des Feldmarschalls, Graf Hugo v. Gneisenau, ein Schwiegersohn des Verstorbenen, Graf Hohenthal aus Sachsen, und ein Enkel von ihm, Lieutenant v. Scharnhorst, zugleich Enkel des berühmten Generals gleichen Namens, als nächste
Leidtragende. Als hier der Sarg von der katholischen Geistlichkeit (der Verstorbene war Katholik)
eingesegnet war, setzte sich der Zug in Bewegung.

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Auf dem Wege desselben waren zwei Bataillone des 26sten und 27sten Infanterieregiments, zwei Schwadronen Großfürst Michael Kürassiere und zwölf Geschütze in geöffnetem Viereck auf dem Platze vor der Kirche bis zum Monument aufmarschiert. Unmittelbar aber vor der Statue stand ein Detachement des neunten Regiments, den Namen Kolberg führend. Bekanntlich war es dieses Regiment, an dessen Spitze der Feldmarschall Kolberg im Jahr 1807 so heldenmütig verteidigte, daß es erst nach dem Friedensschlusse durch Kapitulation an den Feind überging. Der Zug selbst bewegte sich in lautloser Stille bei dem herrlichsten Wetter unter Trauermusik der aufgestellten Truppen nach der Familiengruft; als aber die irdischen Reste des Feldmarschalls beigesetzt waren, da krachte des Donner des Geschützes und der Bataillonssalven durch die weite Ebene.

wappen


magdeburgisches


Als nun die zahlreichen Umstehenden, zunächst der König, die Prinzen und Leidtragenden, einen Kreis um die Statue gebildet hatten, hielt der Divisionsprediger Große eine Rede, in der er, eine kurze Lebensbeschreibung des Verewigten gebend, hervorhob, wie sich der Engel des Herrn bei ihm gelagert und durch ihn die Wiederherstellung und den Ruhm des Vaterlandes gefördert habe. Hierauf trat der älteste Waffengefährte des Feldmarschalls, der General der Kavallerie, v. Borstell, auf dessen Anregung das Monument errichtet worden, vor den König und erbat sich im Namen des Heeres die Erlaubnis, das Monument enthüllen zu dürfen; der König gab sie, die Hülle fiel und das meisterhafte Kunstwerk in carrarischem Marmor zeigte sich vielen Tausenden in charaktervoller Ähnlichkeit. Der Marschall steht in Kriegertracht, vom Reitermantel umhüllt, mit der Linken auf den Säbel gestützt, in der Rechten eine Papierrolle haltend, sein Attribut als Chef des Generalstabes.

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Das 2015 restaurierte Standbild

 

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Hierauf dankte General v. Borstell der Armee und dem König im Namen der Manen des Verstorbenen für das seiner Erinnerung geweihte Standbild und erinnerte daran, wie dieser Held, der sie so oft zum Sieges geführt, ihr stets als Muster dienen möge. Hierauf erscholl dem Könige ein tausendstimmiges Hoch! Da umarmte der Monarch den greisen Borstell und schloß ihn in seine Arme, dann aber nahm er das Band des Schwarzen Adlerordens von der Brust und hing es dem Kriegsminister, General Boyen, um, ihn ebenfalls an das Herz drückend und ihn an die Zeit erinnernd, wo er mit Scharnhorst und Gneisenau in den Jahren 1807
und später so viel zur Erhebung des preußischen Volks mitgewirkt. Auch die Prinzen umarmten den 70jährigen, aber noch äußerst rührigen Greis, der tiefgerührt dieses neue Zeichen der Gnade seines Monarchen empfing.

muenzen

 

Als nach vollendeter Feier die Truppen vor dem König vorbeidefilierten, schloß sich noch ein eignes Korps an sie an, es waren dies gegen 200 alte Krieger, sämtlich dem Bauerstande der Umgebung angehörend, die, mit der Denkmünze der Freiheitskriege geschmückt, sich selbst organisiert hatten und mit Lanzen bewaffnet
in Zügen vorbeidefilierten. Dieser Gedanke ergriff den König lebhaft, und er nahm mehrere Bittschriften, die ihm von denselben überreicht wurden, huldvoll auf. Ein glänzendes Diner von 200 Gedecken, das der Besitzer von Sommerschenburg in einem eigens dazu erbauten Saale arrangiert hatte, und an der König und die Prinzen teilnahmen, schloß die Feier. Als Graf Gneisenau unter dem lauten Zuruf der Anwesenden die Gesundheit des Königs getrunken, brachte der König selbst zwei Toaste aus, die mit großem Enthusiasmus aufgenommen wurden; der erste galt »den großen Erinnerungen des 18. Juni, mögen sie die spätesten Geschlechter zu gleicher Begeisterung als unsere Väter erwecken!« Der zweite galt »dem langen Fortblühen des Geschlechts des Helden, dessen Andenken wir heute feiern.« Nach aufgehobener Tafel kehrten der König und die Prinzen nach Magdeburg zurück.“